Hooligan Hauptstadt Wuppertal – Antwort des Ministeriums: keine Ahnung und davon viel

Das Innenministerium hat die Antwort auf die Kleine Anfrage der Piratenfraktion NRW „Hooligan Hauptstadt Wuppertal? – Realistische Betrachtung der Fans des Wuppertaler SV“ veröffentlicht.

Zur Erinnerung: auf Seiten der Sicherheitsorgane ist man der Ansicht, dass die Fans des Wuppertaler SV zu großen Teilen gewaltbereit sind, weswegen der Verein aus Sicherheitsgründen lange nicht Auswärts spielen durfte. Mittlerweile hat man ne Rolle Rückwärts gemacht, der Verein durfte wieder auswärts ran, alles blieb friedlich und man tut so, als sei dies ein Verdienst der Staatsmacht und nicht von vorneherein klar gewesen, dass es beim WSV keine 30% Gewalttäterquote gibt.

Die Antwort ist wie erwartet sehr knapp ausgefallen: Man bestätigt nur die Dinge, die eh durch die Presse bekannt sind. Alles andere kann das Ministerium nicht sagen, weil man es nicht weiß und es zu aufwändig wäre, die Akten der Wuppertaler Polizei durchzugehen.

Kurzfassung der Antwort

  • der Wuppertaler Polizei sind 161 Kategorie B und 91 Kategorie C Fans namentlich bekannt
  • zusätzlich schätzt man, dass es nochmal weitere 48 Personen gibt, die man in der Hitze des Gefechts nicht identifizieren konnte
  • man kann & will nicht sagen, was die Leute angestellt haben
  • man kann & will nicht sagen, wo die Leute auffällig geworden sind
  • man kann & will nicht sagen, wann die Leute zuletzt auffällig gewesen sind
  • man bestätigt, dass nach der Zahlenlage die WSV-Anhänger wirklich die Hälfte des Gewaltpotentials der letzten RL-West ausgemacht haben

Die gesamte Antwort gibt es hier: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-3978.pdf

Gerade dass man nicht sagen kann, wann die Leute zuletzt auffällig geworden sind und die Aussage, dass viele der Betroffenen nicht in der Gewalttäter Sport erfasst sind, legt den Verdacht nahe, dass die Wuppertaler Polizei hier einfach jahrelang Altfälle gesammelt hat, um möglichst spektakuläre Zahlen zu produzieren.

Im Nachhinein erklärt das zumindest so manche überzogene Polizeipräsenz bei Auswärtstouren zu Null-Brisanz-Spielen.

Nächsten Monat wird übrigens der Antrag[1] der Piraten zur ZIS Reform im Innenausschuss verhandelt. Auf die Argumente des Innenministers, wieso man, trotz dieser massiven Ahnungslosigkeit, keine Reform braucht, bin ich schonmal gespannt.

Mein Tipp: „Weil darum!“ Gefolgt von „Hören Sie auf mich zu kritisieren oder ich verlasse den Raum und komme erst zurück, wenn sie sich entschuldigt haben.“

[1] Realistische Erfassung von Sicherheitsproblemen – Reform der Datenerfassung und -auswertung der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS)

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